Funktion: Schulbau
Ort: Völkermarkt, K
Art des Bauvorhabens: Neubau
Status: Wettbewerb | 3. Platz

Im Alpen-Adria-Gymnasium in Völkermarkt werden neben Charakterbildung und Bewegung auch kreativ-geisteswissenschaftliche und mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenzen gefördert. Das 1974 bezogene und nach dem Vorbild des schwedischen Samskap-Modells der Großraumschule errichtete Gebäude ist zwischenzeitlich in die Jahre gekommen. Daher weicht der alte Hallenbau einem kompletten Neubau, damit die Bildungsziele nach heutigen Maßstäben in gewohnt hoher Qualität erfüllt werden können.

Funktion: Schulbau
Ort: Völkermarkt, K
Art des Bauvorhabens: Neubau
Status: Wettbewerb | 3. Platz


 

Wettbewerb: 03|2021
 

NRF gesamt: 10.242 m²
BGF gesamt: 11.222 m²
Baukosten: 18,6 Mio. EUR
 

Auftraggeber: Bildungsdirektion Kärnten
 

Generalplanung/Architektur: PLOV Architekten ZT GmbH.
Mitarbeit: Ondrej Kövér, Jarod Leistner
 

KonsulentInnen:
3:0 [Landschaftsarchitektur]
 

Visualisierung: Expressiv

Im Alpen-Adria-Gymnasium in Völkermarkt werden neben Charakterbildung und Bewegung auch kreativ-geisteswissenschaftliche und mathematisch-naturwissenschaftliche Kompetenzen gefördert. Das 1974 bezogene und nach dem Vorbild des schwedischen Samskap-Modells der Großraumschule errichtete Gebäude ist zwischenzeitlich in die Jahre gekommen. Daher weicht der alte Hallenbau einem kompletten Neubau, damit die Bildungsziele nach heutigen Maßstäben in gewohnt hoher Qualität erfüllt werden können. 

 

STÄDTEBAULICHE EINBINDUNG – klare und prägnante Positionierung im Campusgefüge

Der Neubau des BG und BRG Völkermarkt erfolgt als zwei- bzw. dreigeschossiger Neubau. Zwei versetzt zueinander angeordnete Baukörper sind jeweils rund um begrünte Atriumhöfe organisiert. Der Neubau fügt sich einfach und klar in das Stadtgefüge ein und bildet einen selbstbewussten und sichtbaren Baustein im Campusgefüge Völkermarkts.

Der Zugang zur Schule erfolgt von Osten und bildet ein vis-a-vis Entree zur NMS. Die Pestalozzistraße bildet einen verkehrsfreien und angemessen proportionierten Campusplatz als Treffpunkt für Schüler und Schülerinnen. Durch das direkte vis-a-vis mit der NMS werden Synergien und Austausch zwischen BG/BRG und NMS (Nachmittagsbetreuung, Mittagessen) vereinfacht.

Im Süden wird der zweigeschossige Baukörper von der Pestalozzistraße abgerückt und bildet eine differenzierte taschenartige Aufweitung des Campusplatzes. Im Bereich der Aufweitung befindet sich der großflächig öffenbare Zugang zu den Zuschauertribünen der Zweifachturnhalle. Der Freiraum und das Gebäude werden so miteinander verwoben und können bei Veranstaltungen fließend bespielt werden.

Die Anlieferung der Schule sowie die Zufahrt für Lehrerinnen und Lehrer (Parken unter Bäumen) erfolgt kommend von Süden über das Grundstück 320/1. Der Zugang für die Lehrerinnen und Lehrer erfolgt über einen separaten Eingang des Verwaltungsbereichs der Schule im Südwesten. Der externe Zugang zum Turnsaal erfolgt getrennt im Südosten.


FLIESSENDE BILDUNGSLANDSCHAFT – Raum für Austausch und Forschergeist

Der Eingangsbereich der Schule wird als offenes, gemeinsames Entree konzipiert. Die Funktionseinheiten Aula/Pausenfläche, Mehrzweckraum und Turnhalle mit Tribünenbereich bilden eine flexibel nutzbare Raumzone im Erdgeschoss welche im direkten Verband mit dem Campusplatz steht.

Der Mehrzweckraum steht für vielfältige schulische Nutzungen zur Verfügung und kann im Schulalltag separat und abgetrennt genutzt werden. Die Lage im Erdgeschoss entlang der Pestalozzistraße stattet den Mehrzweckraum mit öffentlicher Präsenz aus.

Eine großzügige Sitzstufenanlage verbindet die Obergeschosse des Gebäudes und bildet eine geschoßübergreifende Aula für Schulveranstaltungen und Austausch. Die multimediale Schulbibliothek und der direkt angeschossene multifunktionaler Aufenthaltsraum für die Ganztagsbetreuung sind im ersten Obergeschoss räumlich und visuell an die geschossübergreifende Aula angebunden und verfügen zugleich durch die Anordnung am Atriumhof einen attraktiven und direkt zugeordneten Freiraum.

Die Arbeitsräume für Lehrerinnen und Lehrer sowie die Direktion sind im Westen zum Schulgarten orientiert untergebracht und stehen in direktem Verband mit dem Eingangsbereich und der Aula. Dadurch ist der Verwaltungsbereich zentral gelegen und einfach erreichbar. Ein Wartebereich im Vorfeld des Sekretariats und der Direktion spiegelt Kundenorientierung wieder.


LERNEN IM CLUSTER – tausend und eine Möglichkeit im Schulalltag!

Die Unterrichtsräume sind in Clustern U-förmig um die beiden Atriumhöfe organisiert. Vier Cluster der Sekundarstufe 1 befinden sich im nördlichen, dreigeschossigen Baukörper. Die beiden Cluster der Sekundarstufe 2 sind im südlichen, zweigeschossigen Baukörper angeordnet. Die offenen Lernzonen sind jeweils zentral zwischen den Unterrichtsräumen angeordnet und bieten gute Übersicht für die Pädagoginnen und Pädagogen. Die offenen Lernzonen sind bestens belichtet und stehen in direktem Bezug zu den Atrien und ermöglichen es den Außenraum unkompliziert in den Unterrichtsalltag einzubinden. Um den verschiedensten Lernsituationen gerecht zu werden, wird eine flexibel nutzbare Möblierung vorgeschlagen. Die Grundbausteine sind leichte und modulare Tische, Stühle, Sitzkissen sowie ‚Multi-Use-Boxen‘. Für die älteren Mittelschüler der Sekundarstufe 2 werden Lounge-artige Szenarios für selbstständiges Arbeiten und ein optimales Zusammenspiel von Lernen und Freizeit entwickelt.

Die Sonderunterrichtsräume sind in Fachbereiche (Departements) gebündelt. Die naturwissenschaftlichen Unterrichtsräume befinden sich im Erdgeschoss mit direktem Bezug zum Schulgarten und Ökotop.

Räume für Musikerziehung und Informatik sind im ersten Obergeschoss zentral zwischen den Unterrichtsclustern angeordnet. Die Räume für bildnerische Erziehung und Werken sowie Chemie befinden sich im 2. Obergeschoss. Der direkte Zugang der der Räume für bildnerische Erziehung und Werken zur begrünten Dachfläche ermöglicht kreatives Arbeiten im Freien.


FREIFLÄCHEN – nachhaltiger Bildungsfreiraum zur Stärkung der Klima-Resilienz

Der Standort erhält einen campusartigen Freiraum als Bildungsaufenthaltsbereich für den erweiterten Schulbezirk mit ausstrahlendem Mehrwert für die gesamte Stadtgemeinde Völkermarkt.

Freiraum Pestalozzistraße: die Standortbedingungen der Bestandsbäume an der Pestalozzistraße sollen wesentlich verbessert und weitere schattenspendende Bäume nach dem „schwammstadt-prinzip“ neu gepflanzt werden. Es ist vorgesehen die Verkehrsflächen zu entsiegeln und den neuen Freiraum Pestalozzistraße mit fugenoffener heller Pflasterung zu gestalten.

Blau-Grüne-Infrastruktur: Es wird eine blau-grüne-Infrastruktur (blaugrüne Dächer, retentions- und Verdunstungsflächen im Grünraum, Biotop) zur Entlastung des Regenwasserkanals bei (stark)Regenereignissen und zur Verbesserung des Wurzelraums für neue Baumpflanzungen (Wasserverfügbarkeit, Reduktion von Verdichtungen, Entsiegelung) etabliert.

Nachhaltiger Grünraum als effektive Klimawandelanpassungsmaßnahme: Ein schattenspendender Hain, hochstämmig-großkronige Bäume und ein Retentionsbereich mit Ökotop bilden das Grundgerüst für den Schulgarten (Bäume als natürliche Klimaanlage!). Zur Anpassung an den Klimawandel sollen vorrangig „Klimabäume“ verwendet werden: Tilia Tomentosa Brabant (silberlinde), Sophora Japonica (schnurbaum), Gleditsia Triacanthos (Gleditsie), Ostrya Carpinifolia (Hopfenbuche), Ulmus Resista (resistente Ulmen), Fraxinus Ornus (Manna Esche), Quercus Cerris (Zerreiche), Fraxinus Americana (Weißesche).

Dachbegrünung / grüne Atrien: Zwei bepflanzte Atrien dienen der internen Versorgung mit Licht, Luft und Schatten in den Pausen und/oder beim Unterricht. Eine abgesetzte Geschossdecke sorgt im nördlichen Atriumhof für ausreichenden Substrataufbau (Felsenbirnenatrium). Im südlichen Atriumhof über dem Turnsaal erlauben große Pflanztröge mit sinnvollem Fassungsvermögen für Pflanzsubstrat (Atrium mit Sommerstaudeninsel) die Verwendung von aufgeasteten Großsträuchern zur Schaffung von angenehm beschatteten Auftenthaltsbereichen: Amelanchier (Felsenbirne), Eleagnus Angustifolia (Ölweide), Tamarix (Tamariske), Pyrus Salicifolia (Weidenblättrige Birne).

Parken unter Bäumen: Teile der bestehenden Baumreihe an der südlichen Grundstücksgrenze bleiben erhalten und werden in den neuen Parkplatz integriert. Dort ist ebenso vorgesehen, dass die Standortbedingungen der Gehölze nachhaltig verbessert und vermehrt versickerungsfähige Zonen geschaffen werden (erweiterter Wurzel- und Regenwasserversickerungsraum).


MATERIALITÄT – wenige Materialien in klarer Komposition

Es wird ein der Bauaufgabe angemessenes, hochwertiges Erscheinungsbild angestrebt. Wenige Materialien werden in klarer Komposition verwendet. Außen dominieren Holz und Glas das architektonische Erscheinungsbild. Innen dominieren Holzoberflächen sowie punktuelle farbliche Akzente und schaffen eine freundliche und heimelige Atmosphäre.


BAUKONSTRUKTION – Holzhybridbauweise für nachhaltigen Bildungsbau

Die Gebäudekonstruktion ist in Hybridbauweise als Kombination von massiven Stahlbeton-Bauteilen im Sockel und Holzbauweise in den Obergeschossen geplant. Das statische System folgt einem wirtschaftlichen Grundraster.

Die Decken werden als Holzbeton-Hybriddecken errichtet. Stiegen und Aufzug werden in Betonbauweise errichtet. Die Fassaden und der Innenausbau erfolgt in vorgefertigter Holzelementbauweise.

Die Fassaden sind hochwärmegedämmt konzipiert. Transparente Bauteile sind als Pfosten-Riegel-Konstruktionen mit 3-Fachverglasungen bzw. als Verbundfenster mit integriertem Sonnenschutz geplant. Die Dachflächen werden als retentionsfähige Gründächer ausgebildet und tragen zu einem ökologischen Mikroklima bei. Eine Photovoltaikanlage wird zur zusätzlichen Energieversorgung vorgeschlagen.

Eine kontrollierte Raumlüftung sichert die Luftqualität und minimiert Lüftungswärmeverluste. Zusätzlich zur Raumlüftung wird optional die Nachtkühlung über automatisch gesteuerte Drehflügelfenster vorgeschlagen.

Lage im Ort

Erdgeschoss

1. Obergeschoss

2. Obergeschoss

Axonometrie

Schnitt B

Ansicht Ost