Funktion: Wohnbau
Ort: Wien, W
Art des Bauvorhabens: Neubau
Status: Wettbewerb

Das Gebiet rund um die Podhagskygasse in Breitenlee im 22. Wiener Gemeindebezirk ist eines der großen Stadtentwicklungsgebiete, welches vom wohnfonds_wien im Zuge mehrerer Bauträgerwettbewerbe entwickelt und in den nächsten Jahren verwirklicht wird. Gemeinsam mit dem Bauträger EGW haben wir in einem dieser Wettbewerbe ein Projekt mit Schwerpunkt leistbares Wohnen für Alleinerziehende in Notlagen eingereicht. Das ausgearbeitete alternative Energiekonzept ist ein Zugewinn für klimaaktives Wohnen der BewohnerInnen.  

Funktion: Wohnbau
Ort: Wien, W
Art des Bauvorhabens: Neubau
Status: Wettbewerb



Wettbewerb: 09|2020

WNF gesamt: 20.655 m²
BGF gesamt: 37.646 m²
Baukosten: 48,5 Mio. EUR

 

Auftraggeber:
EGW Wohnbau gemeinnützige GmbH

Architektur: PLOV Architekten ZT GmbH

Mitarbeit: Richard Baltl, Lisa Jindra, Ondrej Kövér,
Davor Podbregar, Manfred Thallner

 

KonsulentInnen:

3:0 [Landschaftsarchitektur]
Bauconsult [Haustechnik]
iC Consulenten [Bauphysik]
Sonja Gruber [Soziologin] in Zusammenarbeit
mit der Volkshilfe

Visualisierung: Patricia Bagienski

Das Gebiet rund um die Podhagskygasse in Breitenlee im 22. Wiener Gemeindebezirk ist eines der großen Stadtentwicklungsgebiete, welches vom wohnfonds_wien im Zuge mehrerer Bauträgerwettbewerbe entwickelt und in den nächsten Jahren verwirklicht wird. Gemeinsam mit dem Bauträger EGW haben wir in einem dieser Wettbewerbe ein Projekt mit Schwerpunkt leistbares Wohnen für Alleinerziehende in Notlagen eingereicht. Das ausgearbeitete alternative Energiekonzept ist ein Zugewinn für klimaaktives Wohnen der BewohnerInnen.  
 

Städtebauliche Einbindung

Die Wohnanlage ist ringförmig am Bauplatz angeordnet und bildet einen größtmöglichen zusammenhängenden Freiraum in seinem Zentrum. Die mit Bauklasse 2 und 3 gewidmeten Bereiche werden als zusammenhängender Baukörper entwickelt. Im mit Bauklasse 1 gewidmeten Bereich werden ein ost-west-orientierter Riegel mit Außengangerschließung sowie ein Atriumhaus angeordnet.

Im Südosten wird die Bebauung von der Bauplatzgrenze abgerückt. Dadurch wird eine direkte Nord-Süd-Verbindung des übergeordneten Fuß- und Radweges ermöglicht und im Südosten ein informeller, vorgelagerter Freiraum zur Wohnanlage gebildet. Das Konzept für Ver/ bzw. Entsorgungen sowie für Einsatzfahrzeuge sieht vor, dass keine Zufahrten in das Innere der Wohnanlage erforderlich sind. Die erforderlichen Stellplätze für PKWs werden in einer eingeschossigen Tiefgarage angeordnet. Die Zufahrt zur Tiefgarage erfolgt von der Pfalzgasse im Südwesten.

Prägnante Gebäudeeinschnitte mit Durchgängen gliedern und rhythmisieren die Gebäudefronten entlang der Verkehrsflächen sowie im Innenhof und ermöglichen eine durchlässige Durchwegung des Quartiers im Erdgeschoss. Die Konzeption der Baukörper als ringförmige geschlossene Bebauung trägt den Intentionen der Flächenwidmung Rechnung. Im Inneren wird ein (schall)geschützter Freiraum und außen ein kompakter Straßenraum gebildet.

Insgesamt ergibt sich daraus als übergeordnete Zielsetzung ein Waldartig ausformuliertes Areal mit nachhaltigem Mehrwert und hohem Zukunftspotential.

 

Erschließung und Gebäudestruktur – Rue interieure

Eine „rue interieure“ bildet das funktionale Rückgrat des Gebäudes. Hoher Anspruch wird auf eine kinder- und elternfreundliche Ausbildung sowie Barrierefreiheit der Anlage gelegt. Vier Stiegenhäuser reihen sich entlang der „rue interieure“ auf. Durch die geschlossene Ausbildung der Stiegenhäuser wird ein hohes Sicherheitsgefühl sowie eine klare Abgrenzung des Wohnvorfeldes und damit verbunden eine gute Übersicht und Orientierung erzeugt.

Die Erschließungsgänge und Stiegenhäuser sind natürlich belichtet und freundlich konzipiert und ermöglichen multioptionale Wege zu den Wohnungen. Von jeder Wohnung ist ein zweiter unabhängiger Fluchtweg über die „rue interieure“ vorhanden. Dadurch sind weder druckbelüftete Stiegenhäuser, fest verlegte Rettungswege oder aufwendige Feuerwehrzufahrten in das Innere des Areals notwendig. Ein kleiner stockwerksbezogener und im Zug der Besiedelung durch die Bewohner erst zu programmierender Gemeinschaftsraum befindet sind in jedem Geschoss „mittig“ an der „rue interieure“.

Im Norden tritt die „rue interieur“ nach Außen und wird zu einem offenen und zur Podhagskygasse orientierten offenen Laubengang. Lufträume setzten die Geschosse visuell in Bezug zu einander und ermöglichet Kommunikation und Austausch. Kleine der „rue“ zugeordnete Balkone dienen der Aneignung durch die Bewohner und sollen die Bildung nachbarschaftlicher Beziehungen fördern.

 

Das Erdgeschoss als Drehscheibe der Bewohner

Das Erdgeschoss bildet die Drehscheibe des sozialen Zusammenlebens und verwebt Architektur und Außenraum. Neben den notwendigen Wohnfolgenutzungen (Müllraum, Kinderwagen- und Fahrradraum) wird im Erdgeschoss ein vielseitiges Angebot an gemeinschaftlich nutzbaren Räumen - Herz ist der dreiteilige Gemeinschaftsraum im Südosten - angeboten. Die Gemeinschaftsräume sind im Erdgeschoss jeweils übersichtlich im Bereich der Stiegenhäuser angeordnet. Im Bereich des dreiteiligen Gemeinschaftsraums befindet sich auch der Stützpunkt der. „Wohnen mit Service“ – Hausbetreuung.

Die Anordnung der Arztpraxis und des Kindergartens erfolgt entlang der Podhagskygasse und stärkt diese als Bauplatzübergreifende, verkehrsfreie Achse.

 

Housing-First-Wohnungen der Volkshilfe Wien für Alleinerziehende

„Leben im Baumgarten“ bietet Unterstützungsangebote insbesondere für Alleinerziehende in einer Notlage, denen so gut wie keine finanziellen Mittel zur Verfügung stellen. Mit der Volkshilfe Wien als sozialem Träger werden Alleinerziehenden, die akut von Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit bedroht sind, Housing-First-Wohnungen an. Die zukünftigen Bewohner*innen – das können sowohl Personen mit Förderbewilligung der Wohnungslosenhilfe, aber auch Personen mit positivem Asylbescheid sein – werden von Mitarbeiter*innen der Volkshilfe in ihren Startwohnungen sozialarbeiterisch begleitet. Oberstes Ziel ist der langfristige Erhalt der eigenen Wohnung.

Unsichere Wohnverhältnisse, häufiger Wohnungswechsel und drohende Wohnungslosigkeit stellen allgemein und insbesondere auch für Alleinerziehende und ihre Kinder eine sehr hohe Belastung auf allen Ebenen dar. Housing First möchten Menschen in dieser Situation unterstützen und geht davon aus, dass der eigene dauerhafte Wohnraum und ein stabiles Wohnumfeld eine positive Auswirkung auf die Entwicklung anderer Lebensbereiche der betroffenen Menschen – Erwachsene wie Kinder – hat. Für Housing First sind auf Wunsch der Volkshilfe sechs B-, sechs C- und zwei D-Wohnungen – eingestreut in den Wohnbau – vorgesehen (siehe LOI).

 

Alleinerziehende und ihre Kinder im Wohnumfeld

Auch das Wohnumfeld im „Baumgarten“ bietet für das Leben von Alleinerziehenden und ihren Kindern viele Möglichkeiten, anzukommen und Wurzeln zu schlagen, Kontakte zu knüpfen und Unterstützungsnetze aufzubauen. Im großen Innenhof können durch die klaren Grenzen nach außen sowie gute Übersicht und Orientierung Kinder bald einmal selbstständig allein oder auch in kleinen Gruppen unterwegs sein – was die Erwachsenen in der Beaufsichtigung der Kleinen entlasten kann. Die Besiedelungsbegleitung wiederum möchte mit Formaten wie den Baumpat*innenschaften und den Baumwanderungen den Bezug zum Freiraum von jung und alt und das Sicherheitsgefühl im Wohnumfeld – im Sinne von „Hier kenne ich mich aus!“ - stärken und so indirekt Alleinerziehende unterstützen.

Der dreiteilige Gemeinschaftsraum mit seinem Kinderspielraum bietet eine tolle Möglichkeit, sich mit anderen Erwachsenen mit Kindern zu treffen und zu unterhalten. Bei Kindergeburtstagsfeiern können die Kinder im Kinderspielraum toben, während sich die Erwachsenen nebenan und mit Sichtbeziehung zu den Kleinen ruhig unterhalten können. Dies ist insbesondere für Alleinerziehenden, die in ihrer Alltagsorganisation verstärkt nachbar*innenschaftliche Unterstützung und den Kontakt zu anderen Erwachsenen und Alleinerziehenden in der Wohnumgebung suchen, förderlich.

In den Stockwerken bieten kleine dezentrale Gemeinschaftszimmer unmittelbar vor der eigenen Haustür, in denen auch mit wenigen Personen bereits „Heimeligkeit“ entsteht, insbesondere für Alleinerziehende eine wertvolle Ergänzung zu den eigenen vier Wänden. Hier gibt es Platz für Mikro-Nachbar*innenschaften, gemeinschaftliche Kinderbetreuung u. v. m. Die Gemeinschaftszimmer sind leicht und niederschwellig über die „Rue Interieur“ - die durchläufigen Gänge in jedem Stockwerk – für groß und klein zugänglich.

Grätzlshain - Epk-Fläche

Die gleichen Grundsätze – mehr Bäume und wenig versiegelte Fläche - gelten auch für den nördlich an der Lackenjöchelgasse gelegenen Grünraum, den Grätzlhain.

Ein kleiner „Volkspark“ mit geometrischem Baumrahmen als überschatteter Aufenthaltsbereich für Jung & Alt mit einer leicht abgesenkten offenen Mitte (Retention) in Form einer Spiel- und Liegewiese lagert sich an die benachbarte SWW-Fläche an.

Annähernd 200 Bäume bilden dort das Grundgerüst eines großen, sommerschattigen Haines um einen zentralen Wiesenbereich. Die großzügige Zonierung unter den Bäumen erlaubt ein generationenübergreifendes Neben- und Miteinander und schafft eine bauplatzübergreifende Identifikation im Grätzl.

 

Alternatives Energieversorgungskonzept

Das Energiekonzept ermöglicht eine effiziente Versorgung der Baukörper mit Energie aus erneuerbaren Quellen. Mithilfe der Energieverteilung über eine oberflächennahe Bauteilaktivierung in der Decke der Wohnbereiche können diese sowohl geheizt als auch gekühlt werden. Die Hauptenergiequelle des Energiekonzeptes sind Erdsonden, welche als saisonaler Speicher fungieren. Unterstützt werden die Erdsonden durch einen Luftwärmetauscher, welcher im Sommer zur Warmwasserbereitung, zur Regeneration der Erdsonden sowie als Redundanzsystem eingesetzt werden kann.

Die einzelnen Baukörper sind mittels eines Anergienetzes miteinander verbunden. Dieses Anergienetz kann jederzeit erweitert werden und Immobilien in der Nähe des Projektes „Leben am Baumgarten“ ebenfalls mit erneuerbarer Energie versorgen. Im ersten Schritt könnte jedenfalls der Bauplatz B an das Anergienetz angeschlossen werden.

Lage im Ort

Nutzungsarten

Drehscheibe der Gemeinschaft - Das Erdgeschoss bietet ein vielseitiges Angebot an Gemeinschaftsflächen. Arzt und Kindergarten liegen an der Podhagskygasse und stärken diese als übergreifende, verkehrsfreie Achse.

Baumgarten

Nachhaltiges Wachstum - Anschaffung der Gehölze durch den Bauträger, um die Pflanzenqualität und die Herstellung des Grünraums nachhaltig zu gewährleisten. In Verbindung mit einer fachlichen Ausführung und Pflege wachsen die Gehölze über Jahrzehnte zu einem vitalen Baumgarten heran.

Klimaschutz und Ökologie

CO2 Bindung - O2 Produktion - Der Baumgarten leistet wichtige Klimaschutzfunktionen wie die CO2-Bindung, O2- Produktion oder Feinstaubfilterung und bietet Lebensraum für Vögel, Bienen & Insekten.

Erdgeschoss und Regelgeschoss

Schnitt und Ansicht Nord